Quellen und Texte 60/2012

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Die Quellen und Texte erscheinen zu jeder Kunstmappe. Sie enthalten Materialien wie z. B. Selbstzeugnisse der Künstler, Texte zu Werk, Person und Epoche, bzw. zum historischen Hintergrund.

"Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst." - So kategorisch zweigeteilt, wie Friedrich Schiller es am Ende des Prologs zu seinem "Wallenstein" beschrieb, war das Verhältnis zwischen den schönen Künsten und dem schnöden Alltag eigentlich noch nie. Der oft zitierte Dichtervers, gesprochen bei Wiedereröffnung der Schaubühne in Weimar im Oktober 1798, sollte nur erklären, warum der Autor sich die künstlerische Freiheit nahm, den dramatischen Ernst des historischen Kriegsgeschehens in unterhaltsam gereimten Versen auf die Bühne zu bringen.

Wie man dennoch lange Zeit versuchte, das Zweckfreie und Spielerische der Kunst gegen die Nützlichkeit praktischer Handfertigkeiten auszuspielen und ihr gar jeden Sinn für Scherze abzusprechen, hat Kirsten Voigt in ihrem Vorwort zur dieser Mappe ebenso gründlich wie geistreich dargelegt.

Die bildende Kunst war allerdings nie eine gänzlich spaßfreie Zone. Bereits im pharaonischen Ägypten gab es, wenn auch nur vereinzelt, humoristische bildliche Darstellungen wie etwa die Reliefszene im Tempel der Hatschepsut (1473-1458 v. Chr.) in Deir el-Bahri, auf der die übergewichtige Gestalt der Königin von Punt zu sehen ist, der ein kleiner Esel folgt. Der dazugehörige Text erläutert mit sanftem Spou: "Der Esel, der die Königin tragen musste."

Da Humor und Satire fast immer mit der Zersetzung und Untergrabung von Machtstrukturen und gesellschaftlichen Konventionen zu tun haben, war der Bildwitz stets ein Ventil für geistige Unabhängigkeit: Lachen befreit.

Doch darf man über Kunst lachen? Und darf die Kunst selbst witzig sein? "Scherz, Satire, Ironie, Humor" - die vorliegende Mappe widmet sich einmal den heiteren Seiten der Kunst. Sie zeigt an zwölf Beispielen ein Spektrum von amüsanten Alltagsschilderungen, beißendem Spou und entlarvender Satire bis hin zu kunstvoll inszenierter Albernheit und Blödelei. Witze über Kunst, die moderne Kunst zumal, gibt es viele, und es hat sicher seine Gründe, dass sich ein beachtlicher Teil der zeitgenössischen Kunstproduktion in Zitaten und Anspielungen selbstironisch spiegelt. Heute, wo unsere Spaßgesellschaft Gefahr läuft, an ihrem eigenen Lachen zu ersticken und mancher meint, die Welt sei nur als Witz zu ertragen, ist eine Reflexion dieser Mechanismen angebracht und nötig.

Dabei hilft auch dieses Quellenheft, das als Ergänzung der Mappentexte zusätzliche Hinweise gibt und Hintergründe erschließt. Aus Platzgründen und anderen Erwägungen wurden innerhalb längerer Originaltexte manchmal Kürzungen bzw. Auslassungen vorgenommen, auch Fußnoten wurden deshalb weggelassen.

Informationen von folgenden Künstlern sind enthalten:
Boethos von Kalchedon, Wasserspeier vom Chor des Freiburger Münsters, Lucas Cranach d. Ä., Jan Steen, Franz Xaver Messerschmidt, Gustave Doré, John Heartfield alias Helmut Herzfeld, Sigmar Polke, Peter Fischli & David Weiss, Fernando Botero, Jeff Koons, Banksy

Mehr Informationen
ISBN 978-3-7883-9960-3
Seiten 80 Seiten
Format DIN A5
Bestell-Nr. 90160
Erscheinungsdatum 01.03.2012
Lieferzeit 3 - 5 Tage
Produktgruppe Broschüre